Berufsorientierung

 

Konzept zur frühzeitigen und individuellen Begleitung von Schülerinnen und Schülern mit dem Förderbedarf Emotionalität und Soziabilität im Übergang Schule/Beruf

 

Vorab einige Gedanken, die einem Konzept zur Begleitung von Schülerinnen und Schülern mit dem Förderbedarf Emotionalität und Soziabilität im Übergang Schule/Beruf zugrunde liegen:

 

Die Zukunftsperspektiven unserer Schülerinnen und Schüler sind ohne Frage schwierig. Sie als aussichtslos zu bezeichnen ist falsch.

 

Die allgemeine Wirtschaftslage, die Diskussion um einen – real vorhandenen – zweiten Arbeitsmarkt ist wichtig, darf aber die reale Lebenssituation und auch die darin konkret vorhandenen Chancen und Risiken nicht überdecken.

Es muss als Ausgangslage weiter klar sein, dass vorübergehende Arbeitslosigkeit auch weiterhin zur Lebenswirklichkeit unserer Schülerinnen und Schüler gehören kann.

 

Berufsorientierung als Bestandteil der schulischen individuellen Förderung ist mehr denn je ein besonders wichtiger Bildungsauftrag, um Schülerinnen und Schüler in altersgemäßer Form an die Arbeits- und Berufswelt heranzuführen und ihnen Unterstützung für ihre reale Zukunftsplanung zu bieten. Dabei geht es in der Bildungs- und Erziehungsarbeit um mehr als nur die Wahl eines möglichen Berufsweges. Zahlreiche Faktoren beeinflussen Mädchen und Jungen in ihren Vorstellungen der eigenen Lebens- und Berufsperspektiven. Neben dem sozialen Umfeld wirken vor allem die Selbsteinschätzung der persönlichen Stärken, Vorlieben und Interessen sowie die realen Chancen des Ausbildungs- und Arbeitsmarktes auf die Verwirklichung von Berufswünschen ein.

 

Die Grundlagen unserer Arbeit an der Heinrich-Neumann-Schule sind die Förderung der Schülerinnen und Schüler in ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung, deren schulische Bildung sowie die Berufswahlorientierung, ausgerichtet an ihren individuellen Fähigkeiten. Wir wollen unseren Schülern starke Partner sein und bieten! Wir wollen ihnen in ihrer Berufswahl Orientierungshilfen geben, Fähigkeiten- und Anforderungsprofile abgleichen, Perspektiven vermitteln. Wir wollen unsere Schüler befähigen, auf sinnvolle Art und Weise Entscheidungen für ihren weiteren Ausbildungs- und Berufsweg zu treffen. Wir wollen ihnen helfen Warteschleifen zu vermeiden, uns dafür einsetzen ihnen Nischen im Arbeitsmarkt zu wahren - Jugendlichen mit emotionalem und sozialem Förderbedarf den Übergang von Schule und Beruf möglichst nahtlos und transparent ermöglichen.

 

Bei der Aufnahme der Berufsorientierung als festen Bestandteil von Unterricht im Gesamtkonzept der Heinrich-Neumann-Schule erwies es sich als unabdingbar auch hier einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen: Berufswahlorientierung muss

 

frühzeitig beginnen,
aufeinander aufbauen (spiralcurricular)
und nachhaltig wirken.

 

Sie muss Elemente der Persönlichkeitsbildung, Kompetenzfeststellung, Bildungsplanung und ganz individueller Unterstützung, auch unter Berücksichtigung der Genderorientierung, beinhalten. Auch die enge Kooperation mit den Eltern ist hierbei unabdingbar.

 

Beim Übergang von Schule zum Beruf sind besonders für unsere Schülerinnen und Schüler transparente Strukturen nötig, an denen sie sich in ihrer Berufswahl orientieren können. Vor allem Schülerinnen und Schüler die in ihrer Emotionalität und Soziabilität gefördert werden müssen, scheitern oftmals an der ersten Schwelle angesichts der unüberschaubaren Fülle an Ausbildungsberufen, weiterführenden Schulen, Bildungsgängen, Maßnahmen und Programmen. Für sie geht es bei der Auswahl darum, geeignete individuelle Wege und Lernorte zu finden, um Fähigkeiten zu erwerben und auszubauen und ggf. Schulabschlüsse nachzuholen. Neben den Strukturen muss eine individuelle Begleitung ermöglicht werden.

 

Zudem ist eine Kooperation der Schule mit externen Partnern aus Wirtschaft, Handwerk, Handel, ARGE, Schulsozialarbeit und Agentur für Arbeit aber auch weiterführenden Schulen wie Berufskollegs und Trägern von Maßnahmen zur Beruflichen Bildung für eine umfassende, individuelle Berufsorientierung und einen gesicherten Übergangsprozess nötig und an der Heinrich-Neumann-Schule gegeben.

 

In der Berufsorientierung bieten wir unseren Schülerinnen und Schülern feste Ansprechpartner in der Schule. Klassenlehrer, Berufswahlkoordinatorin, Pädagogen der schulbezogenen Sozialarbeit, Berufseinstiegsbegleiter und der Berufsberater der Agentur für Arbeit, begleiten die Schüler ab der Klasse 8 dialogisch im Berufswahlunterricht und in individuellen Beratungsgesprächen, die im Rahmen der Förderplanung halbjährlich stattfinden. Die Schüler bekommen im Sinne eines Übergangsmanagement Beratung und Informationen aus einer Hand.

 

Im wöchtentlichen Berufsorientierungsunterricht arbeiten die Schülerinnen und Schüler mit Pädagogen an ihrer Persönlichkeit, Ihren Stärken, Interessen und ihrer Kommunikationsstruktur und erarbeiten Fähigkeiten, immer im Bezug auf die Arbeitswelt. Außerdem lernen sie im Unterricht standortbezogen besonders Berufe des Handwerks, des Handels und der Industrie kennen, aber auch andere Interessensgebiete werden schülerorientiert aufgegriffen. Sie erfahren über betriebliche Strukturen und über mögliche Wege in die Berufswelt: über die duale Ausbildung, Bildungsgänge an Berufskollegs und Möglichkeiten der weiterführenden Berufsvorbereitung nach der Heinrich-Neumann-Schule. Frühzeitige begleitende Schülerbetriebspraktika ab Klasse 8, ggf. Langzeitpraktika, die Talentschmiede der schulbezogenen Sozialarbeit „Kompazz“, Möglichkeiten zur Teilnahme am Gils´Day, Betriebserkundungen und Besuche der weiterführenden Einrichtungen bieten den Schülerinnen und Schülern die nötige Transparenz für ihre Berufswahlorientierung und können helfen mögliche Schwellenängste abzubauen bzw. gar nicht erst aufkommen zu lassen.


Auf diesem Weg wollen wir es ermöglichen, dass für möglichst alle Schülerinnen und Schüler am Ende ihres 10. Schulbesuchsjahres feststeht, an welchem Bildungsort ihr weiterer Berufsbildungs- oder Orientierungsweg stattfinden wird, sodass wir sagen können, dass den Jugendlichen mit emotionalem und sozialem Förderbedarf der Übergang von Schule und Beruf nahtlos und transparent ermöglichet wurde.

 

Außerdem nimmt die Heinrich-Neumann-Schule seit dem Schuljahr 2015/2016 am Landesvorhaben "Kein Abschluss ohne Anschluss - Übergang Schule-Beruf in NRW" teil und bietet den Schülerinnen und Schülern somit zusätzlich zur bisherigen Förderung eine gesicherte Grundstruktur an Maßnahmen zur beruflichen Orientierung. Ein weiteres Ziel der entsprechenden Organisationsentwicklung ist es, die Inhalte noch früher (durchaus schon ab Klasse 5) in den „normalen“ Schulalltag zu holen und die Perspektive „Schule“ nicht auf den letzten Schultag auszurichten.

 

Ansprechpartnerin:

Berufswahlkoordinatorin Frau Cornely, Email: cornely@heinrich-neumann-schule.de

 

Flyer Berufswahlorientierung